Live aus dem Kelterhaus

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Der Distanzunterricht/Onlineunterricht dieses Schuljahres stellte uns vor große Herausforderungen, z. B. mit Blick auf verfügbare und funktionierende Hardware wie Kameras oder Mikrofone, richtige Software, besonders aber auch einen schnellen Internetzugang. Der Theorieunterricht, vor allem in den allgemeinbildenden Fächern, war problemlos umzusetzen.

Wie sah es aber im Praxisunterricht aus? In den Ausbildungsberufen Winzer/Winzerin und Weintechnologe/Weintechnologin befasst sich ein nicht unerheblicher Teil des praktischen Unterrichts mit den Themen Kellerwirtschaft und Analytik, vor allem in den Wintermonaten. Viele Arbeitsschritte kann man zwar theoretisch durchsprechen, aber das eine oder andere muss man auch mit eigenen Augen gesehen haben, um es richtig zu verstehen.

Um den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten, habe ich versucht, verschiedene Arbeiten bei mir im Weingut zu filmen und diese im Distanzunterricht zu streamen.

Ich habe mit meinen Schülern verschiedene Ansätze mit Hefen und Bakterien gemacht sowie Pflanzenzellen untersucht. Dazu habe ich auf dem Labormikroskop einen digitalen Okularaufsatz angebracht und die zugehörige Beobachtungssoftware mit meinen Schülerinnen und Schülern über MS Teams geteilt.

Hierbei konnten wir gemeinsam verschiedene Hefen, Pflanzenzellen usw. differenzieren, die Fotos teilen und über Ergebnisse diskutieren.

Auf dem Gebiet Analytik werden im Wein verschiedene Parameter, wie z. B. Restzucker, Alkohol, Schwefelgehalt, Säure, pH-Wert usw. bestimmt. Dazu habe ich mit einer Dokumentenkamera während der Untersuchungen das Vorgehen gefilmt und den Bildschirm geteilt, um den genauen Ablauf einer Untersuchung aufzuzeigen. Auch die Ergebnisse z. B. ein Farbumschlag und das Ablesen des Wertes ließen sich so realisieren. Dies hatte darüber hinaus den Vorteil, dass jede Schülerin/jeder Schüler eine optimale Sicht auf die Untersuchung und das Ergebnis hatte.

In den Wintermonaten wird in den Weingütern der Wein filtriert und abgefüllt. Durch den Einbau einer Webcam auf einem Kamerastativ und mithilfe eines Bluetooth-Headsets konnte ich diese Arbeiten und die erforderlichen Geräte - dank guter WLAN-Anbindung und notwendiger Bewegungsfreiheit - in meinem Kelterhaus erklären. Bei Rückfragen war es ein Leichtes, Gegenstände näher an die Kamera zu halten und gemeinsam mit den Schülern daran zu arbeiten.

Komplexe Arbeitsabläufe wie z. B. die Kieselgurfiltration habe ich vorab in mehreren Arbeitsschritten gefilmt und die Einzelfilme mit meinen Schülerinnen und Schülern angeschaut und besprochen.

Natürlich können diese „Vorführungen“ im Distanzunterricht den Präsenzunterricht nicht ersetzen, aber ich denke, dass unsere Schüler dadurch trotzdem viel gelernt haben und dass besonders durch die Visualisierung auch vieles „hängenbleiben“ wird.

Im Präsenzunterricht werde ich auf jeden Fall die „Früchte“ des Distanzunterrichts weiter einsetzen.

Johannes Arnold

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